Mordsgaudi


Schon seit der Preweek, die mittlerweile bald ein unglaubliches Jahr her ist (!) haben wir in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen teilweise einmal im Monat oder einmal die Woche Impro mit Kristen Sprick. Da ich bereits aus guten alten „Darstellendes Spiel“ – Zeiten viel Erfahrung mit dieser Methodik sammeln konnte, habe ich mich schon immer auf diese spontane kreative Entfaltung gefreut und finde es im Vergleich zu anderen recht strikten Schauspielstrukturen wirklich erfrischend. Es birgt einfach ein riesiges Spektrum und neben aus der Luft improvisierte Schauspielszenen, woran man wahrscheinlich zu erst denkt, beinhaltet es auch extrem viel Bewegungsmaterial, Tanz und gesangliche Einwürfe.

 

Der Unterricht beginnt in der Regel mit einigen Aufwärmübungen, in denen der kreative Geist quasi geweckt werden soll und man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. In einer gewissen Form hilft es auch einfach den restlichen Schulalltag hinter sich zu lassen und sich auf diese Klasse einzustimmen. Die Übungen reichen von einem umgewandelten „Reise nach Jerusalem“ – Verschwörungszyklus über einen Wörterkreis mit Lachverbot bis hin zu variationsreichen Assoziationsspielen mit Stimme, Körper & Geist. Letzte Stunde haben wir auch mehr auf unser stimmliches Talent zurückgegriffen und aus Antworten auf verschiedene Fragen an einen auserwählten „Dirigenten“/„Chorleiter“ musikalische Kunstwerke erschaffen. Jeder der restlichen aus dem Semester hatte dann ein Wort oder eine Phrase, die eher rhythmisch und melodisch frei gestalten konnte, dem gegebenen Groove des Anfängers angepasst. Der Dirigent darf dann Dynamik und Besetzungsstärke regulieren. Fertig ist jedes mal ein meiner Meinung nach für die Öffentlichkeit geeignetes kleines Stück Kreativität, das unterhält. Nach diesem WarmUp stand diese Woche eine neue Lektion in Sachen Improvisation an. Da wir auf eine sogenannte Langzeitimprovisation hinarbeiten, in der dann ein komplettes Stück mit Gesang- und Tanzteilen improvisiert wird, gibt Kirsten uns immer mehr Mittel mit auf den Weg, um Impulse wahrzunehmen und Szenen in richtige Richtungen zu bringen. Diesmal ging es darum, sich gegenseitig immer zu überbieten und den realistischen auch mal zu sprengen. Sei es in der Sprache, der Bewegung oder dem Status. Wir hatten einige interessante und komplett unterschiedliche erste Versuche. Beispielsweise wurde Holz getragen und dieses immer exzessiver betrieben. Der erste trug eine normal erscheinende Ladung, der zweite schon mehr auf dem Rücken und dann wurde mit dem kleinen Fingern, den Zähnen oder der Nase transportiert. Wenn eine anscheinende Grenze erreicht ist, nimmt man den nächsten Impuls und schaut, was passiert. Durch die Sprache kann man sich auch über oder unter den Mitspieler katapultieren, in dem man beispielsweise beschreibt, wie viele oder welche Götter man mit geschlossenen Augen sieht. Ihr seht, das ganze driftet schnell und automatisch ins abstruse ab, aber gerade das macht es so spannend und witzig. In einer anderen Duoszene standen zwei McDonalds Mitarbeiterinnen in einer anfänglich nicht erkennbaren Konkurrenz zueinander. Doch nach einer Weile arbeiteten sich beide in Rage, um den anderen in der Burgerproduktion zu überbieten. Hier gab es ebenfalls interessante Beispiele, wie man neuen Impulsen nachgehen kann. Nachdem man sich auf einen Stuhl gestellt hat beispielsweise, kann man das hinabklettern dann ins unermesslich unmögliche Spielen und so wieder etwas auf die Spitze treiben oder wenn man hustet, wie eine der beiden „Köchinnen“, sich so in den Hustenanfall steigern, dass man im Endeffekt umkommt.

 

Das ganze war eine sehr aufschlussreiche und witzige Klasse, in der man wieder mehr dazugelernt hat und sich immer mehr vorstellen kann, wie so eine Langzeitimprovisation tatsächlich auf die Beine zu stellen ist und man sich mit den richtigen Werkzeugen und Mitspielern gar keine Sorgen machen brauch. Ich freue mich schon drauf, wenn wir diese Mordsgaudi mal selbst austesten können.

Macht euch einen schönen Sonntag!

Euer Dominik

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